FCI im Wandel

Wir leben in einer sich wandelnden Welt. Auf politischer Ebene waren die letzten 25 Jahre von großen Umwälzungen geprägt: Neue Staaten sind hervorgegangen, andere verschwunden, und neue Staatenformationen sind erschienen.

Dies hat natürlich auch die FCI und unsere gesamte Organisation nicht unberührt gelassen. Viele neue Mitglieder sind zu uns gestoßen und in nicht allzu ferner Zukunft werden wir wohl die 100er-Marke überschritten haben – mehr als hundert Vollmitglieder, assoziierte Mitglieder und Vertragspartner haben. Und das, obwohl wir vor nicht allzu langer Zeit „nur“ 70 Länder waren.

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Jørgen Hindse
Auf der Spur der Hundeliebhaber, Vom Mittelalter bis 1911 (Teil 4/7)

Lesen Sie den vollständigen Artikel und mehr im 100-jähriges Jubiläumsbuch der FCI www.fci.be/onlinecatalogue.aspx

Raymond TRIQUET, France
Universitätsdozent im Ruhestand der Université Lille III,
ehem. Präsident der FCI-Standardkommission
Übersetzung: F. Brune

Deutschland steht dieser Entwicklung in nichts nach, da Reichenbach bereits 1836 „Der Hund“ in Leipzig veröffentlicht. Um 1840 kommt bei den Hundeliebhabern das Bedürfnis auf, sich zusammen zu finden, um ihre Hunde zu vergleichen und die ersten Wettbewerbe (matches) zu organisieren. Zu Beginn fanden diese bisweilen in denselben verrufenen Wirtshäusern statt, in denen auch die Rattenfängerturniere und sogar Hundekämpfe, obgleich verboten, veranstaltet wurden. Die Jäger mit Schusswaffen sind die ersten, die ihre Hunde zu Zusammenkünften mitbringen, um über sie zu „richten“, sie also nach Schönheitskriterien zu sortieren, da eine Vorliebe für Körperbau und Ästhetik des Rassehundes entsteht. Die (bisher) erste bekannte Ausstellung fand in Tervuren, in Belgien, am 28. Mai 1847 statt. Eine einzige Rasse war vertreten: der Pointer. 60 Exemplare wurden von drei Richtern beurteilt. Es ist nicht verwunderlich, dass die belgischen Jäger die Initiative ergreifen, da sie bereits sehr gut organisiert sind. Die Statuten und Reglemente des „Vereins der Jagdbesitzer und -liebhaber zur Mithilfe der Unterdrückung des Wildfrevels in der Provinz Brabant“ erscheinen 1859 in Brüssel, während das französische Gegenstück, der „Zentralverein der Jäger zur Mithilfe der Unterdrückung des Wildfrevels“ seine Statuten erst 1868 veröffentlicht. Bis 1880 scheint es keine weiteren Ausstellungen in Belgien gegeben zu haben. Sicher ist jedoch, dass die Ausstellungen stets der Gründung kynologischer Organisationen vorausgingen. Nachfolgend wird versucht, eine chronologische Übersicht zu geben.

1859

Erste englische Ausstellung im Rathaus von Newcastle am 28. und 29. Juni, die lange Zeit als die erste Ausstellung der Welt galt (die englischen Behörden sind der Meinung, dass bei gründlicher Nachforschung auch Nachweise früherer Ausstellungen zu finden sind). Zwei Rassen waren vertreten und 60 Hunde gemeldet: Pointer und Setter. Fünf Richter bewerteten die Hunde, unter ihnen der berühmte John Henry Walsh, bekannt unter dem Spitznamen „Stonehenge“, Direktor der Zeitschrift The Field, der die Veranstaltung unterstützte und über sie berichtete. Er war der einzige, der beide Rassen richtete. Herr Brailsford, Initiator der Ausstellung und Richter bei den Settern, gewann mit seinem leberbraunen und weißen Pointer und bei den Settern ging der erste Platz an den Hund eines Herrn J. Jobling, der Richter bei den Pointern war. Herr W.R. Pape, Waffenhändler aus Newcastle, schenkte dem Gewinner jeder Sektion eine Doppelflinte. Interessanterweise war es 100 Jahre später im Hundeverein St. Hubert du Nord Tradition, dem Gewinner ein Jagdgewehr zu überreichen. Im selben Jahr wurde im November die zweite englische Ausstellung mit 80 Hunden von Herrn Brailsford in Birmingham organisiert. Pointer, English Setter, Retriever, Clumber Spaniels und Cocker Spaniels. Die Diversifizierung der Rassen ist bereits eine Tatsache.

1860

Zweite Ausstellung in Birmingham, am Montag, den 3., und Dienstag, den 4. Dezember, mit 267 Hunden und die erste Ausstellung, in der zwei Gruppen vorgesehen sind („divisions“ genannt): zum einen die Jagdhunde, von den Bloodhounds bis zu den Spaniels, über die Greyhounds und die Irish Setter, und zum anderen die Hunde, die nicht jagen (Non-sporting Dogs – Dogs or Bitches), Rüden und Hündinnen. Hier wird der Verwendungsunterschied zwischen Dog, der Hund im Allgemeinen, und Dog, der Rüde, deutlich: allgemein vs. spezifisch. Es ist der Beginn einer Rasseneinteilung für Ausstellungen. Zu der zweiten „Division“ gehören: Mastiffs, Neufundländer, Dalmatiner, Bulldoggen, Schäferhunde (ohne genauere Angaben), schwarz und lohfarbene Terrier (Black and Tan), weiße und andere englische Terrier, schottische Terrier (Scotch Terriers), darunter auch Skye Terrier, Möpse, italienische Windhunde, Blenheim Spaniels (heute eine Varietät des King Charles oder Cavalier King Charles Spaniels), King Charles Spaniels, Toy Terrier und noch dazu die „foreign dogs“ (die ausländischen Hunde, von denen Vero Shaw 1881 sagt: „those we secretly despise“, die, die wir insgeheim verachten). Später mehr dazu.

Die Ausstellungen hatten großen Erfolg und zogen sogar die Oberschicht an. Im ersten Komitee (council) von Birmingham saßen elf Marquis, Grafen, Lords, Ritter oder Baronets. Einige von ihnen waren Aussteller. Zu Beginn war es eine ausschließliche Männerdomäne. Die Besitzer führten ihre Hunde nicht selbst vor. Das taten Handler, die von der ausrichtenden Organisation bezahlt wurden (eine Überlegung wert!). Viele Jahre lang (laut Annette Oliver) war der Verkaufspreis der ausgestellten Hunde im Katalog vermerkt und es kam vor, dass ein Hund „während der Ausstellung ein- oder zweimal“ den Besitzer wechselte.

1861

  • Leeds – Ausstellung von Nordengland, vom 16.-18. Juli mit den zwei gleichen Divisionen.
  • erneut Birmingham, vom 2.-4. Dezember. In den Aufzeichnungen findet sich ein kubanischer Hund (?), der den ersten Preis erhält, ein Chinese sacred dog (Heiliger Hund aus China), ein französischer Pudel, ein Pyrenäenhund und … ein russischer Setter (?).
  • Manchester, mit einem Dandie Dinmont Terrier, einem „Pomeranian Fox-dog“, zwei „Esquimaux“ (Aufzeichnung auf Französisch) und einem „tatarischen Schäferhund“. Es lässt sich nicht bestreiten, dass die Hundeliebhaber schon sehr früh eine Vorliebe für seltene Hunde haben, für Hunde, die andere nicht haben. Hunde aus China (besonders nach der Plünderung des Sommerpalastes von Peking im Jahr 1860 durch die britischen und französischen Truppen), Indien und Russland („russische Wolfhounds“, also Barsois) werden importiert. Es ist auch festzuhalten, dass die Ausstellungen zu Beginn in den Industrieregionen Mittel- und Nordenglands organisiert werden
  • Frankreich: erste Hundeausstellung im Mai in Boulogne-sur-Mer, organisiert von einem Hundeliebhaber, Herr du Lorin.

1862

  • London, 24.-28. Juni, in der „Agricultural Hall“ von Islington, aber die Ausstellung wird erneut vom Komitee „Nordengland“ organisiert.
  • Birmingham, vier Tage, vom 1.-4. Dezember, wird somit zum führenden Verein des aufkommenden Hundewesens.

1863

Ein sehr wichtiges Jahr.

  • Die erste „nationale“ Londoner Ausstellung findet in Chelsea statt, vom 23.-28. März mit 1214 Meldungen.
  • London (erneut): erste „internationale“ Ausstellung in Islington vom Montag, den 25. Mai, bis Samstag, den 30., mit über 2000 ausgestellten Hunden.
  • Birmingham in vier Tagen, vom 30. November bis 3. Dezember mit 570 Teilnehmern.
  • Erste deutsche Ausstellung von Rassehunden im Juli in Hamburg in der Turnhalle St. Pauli mit 453 Hunden. Die darauffolgende Ausstellung 1869 in Altona zählte 1353 Hunde. Anschließend gab es Ausstellungen in Kannstadt 1871 und in Stuttgart 1873.
  • Erste offizielle französische Hundeausstellung unter Napoleon III. (der Prinz Napoleon stellte eine Meute Foxhounds aus). Sie fand am 3. Mai im Pariser Jardin d’Acclimatation statt.
    Es war keine Ausstellung „auf englische Art“. Sie gab Anlass zu einer Erfassung, einer „allgemeinen Studie und Überarbeitung der Spezies unter der Schirmherrschaft der bedeutendsten Vertreter aus Wissenschaft, Jagdkunde und Kunst“ unter dem Vorsitz von Herrn de Quatrefages, Naturwissenschaftler und Anthropologe, Professor im Muséum d’Histoire Naturelle von Paris (das staatliche französische Naturkundemuseum), und der Leitung von Herrn Geoffroy Saint-Hilaire, Naturwissenschaftler, Professor für Zoologie im Muséum. Von den 1000 vorgeführten Hunden schieden 200 aus: sie wiesen nicht „genügend rassespezifische Merkmale auf“ (laut Megnin). Die Bordeauxdogge trägt nun offiziell zum ersten Mal ihren Namen. Es gibt immer noch nur „französische Schäferhunde“ (dreizehn an der Zahl), obwohl die Bezeichnung „Berger de Brie“ (Briard) seit 1809 bekannt ist (Luquet).

1864

27.-31. Mai, die Londoner Ausstellung plant eine weitere Klasse ein: chinesische und japanische Hunde.

1865

Zweite Ausstellung, im 8. Arrondissement von Paris, Cours de la Reine, von derselben Gesellschaft des Jardin zoologique d’Acclimatation du Bois de Boulogne organisiert. Die Ausstellung firmiert unter der Bezeichnung „Exposition universelle des races canines“ (Weltausstellung der Hunderassen). Dieses Mal unterscheidet man „die Brie-Hunde und die anderen französischen Schäferhunde“, die die erste Klasse der ersten Kategorie bilden: „Die Gebrauchshunde“ (wie festzustellen ist, hat diese Gruppe nichts mit der heutigen englischen „utility“ Gruppe gemeinsam, der die Hunde angehören, die man woanders nicht einzuordnen wusste: Bulldog zusammen mit Pudel und Dalmatiner). Die zweite Kategorie bilden die „Laufhunde zur Jagd“. Die dritte Kategorie sind „Vorstehhunde zur Jagd“ mit der Bemerkung: „kurzhaarige Vorstehhunde oder Braque“. Darunter sind Braques Dupuy (heute ausgestorben), der „Bourbonnaiser Vorstehhund ohne Rute“, Vorstehhunde „mit Doppelnase“ (damals glaubte man, dass Vorstehhunde mit „Spaltnasen“ besser atmeten und einen besseren Geruchssinn hätten) und, schon damals in Frankreich, der Deutsch Kurzhaar. Ferner erscheint die Kategorie „Langhaarige und kurzhaarige Vorstehhunde“ mit dem „englischen Spaniel (Setter)“, dem „Spaniel mit Spaltnase“, dem „Spaniel schwarz mit Brand (Gordon Setter)“, den „irischen Spaniels“, dem „Sussex Spaniel (English Springer)“, dem „Devonshire Cocker“, den „Wasserspaniels“ und den „Retrievern“. Die französischen rauhhaarigen Vorstehhunde und Barbets bilden eine separate Gruppe gemeinsam mit dem „Großen russischen Barbet“ (?). Die vierte Kategorie ist die der Windhunde, „kurzhaarig“ und „langhaarig“, darunter der „russische Windhund“, das Wort Barzoï findet erst 1932 (Le Robert) Eingang in die französische Sprache, während das Wort Borzoi seit 1887 im Englischen bekannt ist (O.E.D.). Die fünfte und letzte Kategorie umfasst die „Luxushunde“: vom „italienischen Windspiel“ und den „mexikanischen und chinesischen Nackthunden“ bis zum Mops und zum „Hund von Alicante“, der bereits von Buffon erwähnt wird. Diese fünf „Kategorien“ sind in insgesamt 43 „Klassen“ unterteilt. Jede Klasse enthält eine Vorstellung der Hunde sowie einen chronologischen Überblick, der oft ein Auszug aus dem Werk von Hamilton Smith ist, was die Bedeutung des englischen Einflusses belegt. Hier findet sich auch ein Zitat von Pierre Pichot (eigentlich Pierre-Amédée Pichot, 1841-1921, begeisterter Anhänger der Falkenjagd, sehr pro-Englisch eingestellt und Besitzer der Revue Britannique, was auch die Zitate von Autoren jenseits des Ärmelkanals erklärt). Pichot hatte 1863 Bordeauxdoggen gerichtet, mit welcher Befugnis ist unbekannt. Er schreibt hier über die „Hunde, die Ochsentreiber nutzen“ (Sennenhunde): „Der Großteil der Hunde kommt ohne Rute zur Welt, eine Anomalie, die wahrscheinlich vererbt ist und von der Abtrennung der Rute herrührt.“ Dieser Glaube, über den wir heute schmunzeln, wird auch noch 1867 von Gayot gelehrt und nimmt eine ganze Seite in seinem berühmten Werk „Le Chien, histoire naturelle“ (Die Entwicklungsgeschichte des Hundes) ein: „Der Ursprung dieser Anomalie liegt wohl in der Amputation durch Menschenhand (…) infolge der sukzessiven Verstümmelungen in derselben Familie wurde diese Missbildung vererbt und veränderte nach und nach das Werk des Schöpfers“. Ein weiteres seltsames Verständnis des Begriffs Vererbung: man glaubte, dass die Flecken des Haarkleids der Welpen vom Lichteinfall auf die Hündin beim Deckakt abhängig wären (Zeitschrift Chasse et Pêche, Nr. 48 vom 26. August 1911).

  • 1865 wird auch das erste Field Trial der Welt ausgerichtet, an einem Dienstag, den 18. April, auf dem Gut von Herrn Whitbread, Abgeordneter im Parlament, in Southill in der Grafschaft Bedfordshire. Einer der zwei Richter ist der berühmte Pfarrer (noch ein Pfarrer) Thomas Pearce, Jäger und Besitzer zahlreicher Hunde, der 1872 unter dem Pseudonym Idstone ein sehr persönliches Buch, „The Dog“ veröffentlicht, in dem er 41 Hunderassen beschreibt. Am 18. April 1865 sind zwei Rassen am Start: Pointer und Setter. Die Notizen der Richter über die Art der Hunde das Revier zu erkunden und wie sie suchen, werden veröffentlicht. Es ist auch festzustellen, dass der Großteil der Hunde an der Ausstellung in Islington im Juni teilnimmt. Die typisch englische Trennung zwischen Arbeitshunden und Ausstellungshunden ist also noch nicht vorhanden.

1867

  • Eugène Gayot (1808-1891), Tierarzt der Kaiserlichen und zentralen Landwirtschaftsgesellschaft Frankreichs (Société Impériale et centrale d’Agriculture de France), stellt in seinem 546-seitigen Buch „Le Chien, histoire naturelle“ in einem lebendigen, fachmännischen und sehr persönlichen, erzählerischen Stil 26 Hundekategorien vor, darunter auch Mischlinge und Straßenhunde. Die herrlich antiquierten Kapitelüberschriften ähneln denen der Comtesse de Ségur und das gesamte Buch ist eine fesselnde Lektüre.
  • 3. August: Erste Ausgabe der „bedeutendsten französischen Jagdzeitschrift“ (Thiebaud): La Chasse illustrée, Zeitschrift der Annehmlichkeiten des Land- und Schlosslebens, die 1869 in La Chasse illustrée et la vie à la campagne (Jagd und Landleben) umbenannt wird. Mit dem Kriegsausbruch 1870 wird die Veröffentlichung unterbrochen und zu Beginn des Ersten Weltkriegs eingestellt.
La chasse illustrée, Band 1, 1967-68, S.1

1871

  • Bei der Ausstellung in Bern, Hauptstadt der Schweizerischen Eidgenossenschaft, ist eine Hundesektion im Rahmen einer handwerklichen, botanischen und zoologischen Ausstellung vorgesehen.

1872

Laverack veröffentlicht sein berühmtes Werk: „The Setter“. Ein bahnbrechendes Werk für die Beschreibung der Setter, in dem er auch seine eigenen Stammbäume veröffentlicht. Er beschreibt seine Varietät sehr genau, ungefähr in der heutigen Reihenfolge. Es ist ein wirklicher Standard mit Kommentaren. Der Autor gibt regelrechten Unterricht als Züchter, Nutzer und Aussteller. Er hat zur Entdeckung der Wirksamkeit von Inzucht beigetragen (Denis). Er ist ein Hundenarr, der eingesteht, dass er einen großen Teil seines Lebens „seiner“ Rasse gewidmet hat. Er ist möglicherweise der erste große Kynologe und Hundeliebhaber. Und auch der Erste, der die Unwägbarkeiten der Ausstellungen anspricht.

  • Erste Hundeausstellung in Holland, am 28. Mai, in Rotterdam, gleichzeitig mit einer Geflügelausstellung.

1873

  • Gründung des (britischen) Dachverbands: „The Kennel Club“, der einzige Verein, der mit keiner adjektivischen Länderbezeichnung versehen ist, da er der erste ist (vom Datum her, aber auch in den Herzen der englischen Hundeliebhaber). Die Mehrheit der Herren, die sich am 4. April 1873 an der Adresse 2 Albert Mansions, Victoria Street, London, eingefunden hatten, um den Kennel Club auf Initiative von Herrn Shirley zu gründen, kamen aus der Region Birmingham oder hatten Kontakte zum Hundeverein von Birmingham (Birmingham Dog Show Society). Fast alle hatten bereits Hunde ausgestellt. Unter ihnen waren nur ein Vicomte, ein Oberst und ein Geistlicher, der ein sehr bekannter Hundeliebhaber war, Pfarrer J.C. Macdona. Zwei Monate später, vom 17. bis 20. Juni, fand eine Ausstellung „unter der Schirmherrschaft des Kennel Clubs“ im Crystal Palace mit 975 Hunden statt. Die erste Generalversammlung war am 1. Dezember 1874 in Birmingham unter dem Vorsitz von Herrn Shirley. Die „Reglements“ ermöglichten eine rasche Zusammenlegung der Organisation der Ausstellungen und der Field Trials in Großbritannien.
  • Im selben Jahr wird in Russland die „Kaiserliche Gesellschaft für die Verbreitung der Jagdhunde und der Jagdvorschriften“ auf Initiative des Grafen Wassili Alexejewitsch Scheremetew gegründet und steht bis 1917 (laut der R.K.F.) unter der Schirmherrschaft des „Hauses Romanow“. Hier ist dieselbe Entwicklung wie in Belgien und Frankreich zu beobachten. Die Jäger gründen die ersten Vereine. Die „Kaiserliche Gesellschaft“ wird im Juni 2000 erneut gegründet auf Initiative des Prinzen Andrei Kirillowitsch Golitisine.

1874

  • Erste Jagdhundeausstellung in Moskau. Es folgen weitere Ausstellungen sowie Hasen- (Coursing) und sogar Wolfsjagden. Die industrielle Revolution schreitet voran und die Menschen können immer einfacher reisen: zwischen 1860 und 1880 verlegt Russland 21300 km Eisenbahnschienen (Sokoloff).
  • Erste Generalversammlung des Kennel Clubs am 1. Dezember in Birmingham
  • London: Veröffentlichung des ersten „Stud Book“ (die Bezeichnung ist der Pferdezucht entliehen) unter der Leitung von Frank C.C. Pearce, Sohn des Pfarrers Thomas Pearce. Dieser großartige Band wurde bereits ab dem ersten Tag der Ausstellung in Birmingham, am 1. Dezember 1874, verteilt. Der Band enthält die Reglements des Kennel Clubs für die Ausstellungen und Field Trials, die Liste der Mitglieder des Kennel Clubs unter der Schirmherrschaft Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen von Wales, die Ausstellungen von 1859 bis 1873 (acht Ausstellungen!) mit den Namen der Richter und den Ergebnissen und die Field Trials von 1865 bis 1873 (vier an der Zahl) mit den Notizen der Richter. Ferner werden im Kapitel „Pedigrees“ die Geburten nach Rassen, eingeteilt in die oben erwähnten „Klassen“, aufgelistet. 4027 Hunde werden hier erwähnt, mit Namen und Adresse des Besitzers, Namen der Züchter (es gibt noch keine Zwingernamen), Namen der Eltern und deren Züchter sowie den Ausstellungsergebnissen. Wenn man die damaligen druck- und verlagstechnischen Mittel berücksichtigt, handelt es sich unweigerlich um eine außerordentliche Arbeit, die weltweit Schule machen wird. Das erste Stud Book (Stammbuch) beginnt mit den Bloodhounds (in Belgien und Frankreich der St. Hubertushund), die die Klasse 1 bilden. Daher kommt es, dass der erste aufgelistete Hund eine Hündin mit französischem Namen ist (Abeille), 1865 geboren, ehemals in französischem Besitz, nun Eigentum eines Engländers, aber deren Züchter kein anderer als der Prinz Napoleon ist. Durch die sehr raffinierten Verweise kann man feststellen, dass die Mutter von Abeille, geboren in Durham (im Nordosten Englands), auch wirklich Eigentum des Prinzen gewesen ist. Perfekt, um einen vollständigen Stammbaum zu erstellen. Das Stud Book ist ein konkreter Nachweis für die englisch-französischen Kontakte, aber auch dafür, dass die Großen dieser Welt nicht nur Nutzer sind, sondern auch Züchter werden können.
  • 1. Januar: Gründung der „Niederländischen Jagdgesellschaft Nirod“ (de Nederlansche Jachtvereeniging Nimrod).
  • Zweite Ausstellung in Holland durch „Nimrod“ am 11. und 12. April in Amsterdam, im selben Rahmen wie 1872.
  • 5. Februar 1874 : erste Ausgabe der französischen Wochenzeitschrift L’Acclimatation, eine Fachzeitschrift für Landwirte, Züchter und Jäger, die bis 1932 Bestand haben wird.